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06.06.2007 | Rubrik: Anträge | Thema: Energie, Umwelt / Natur

Klimaschutz: Kraftwerk Staudinger / Planungen zum Bau einen neuen Blocks: Keine Mehrbelastung für die Region!

Antrag zur Kreistagssitzung am 4. Juli 2007

Beschlussempfehlung:

  1. Der Kreistag Offenbach lehnt auf dem Hintergrund der Klimadebatte den Neubau des Kohlekraftwerks in Großkrotzenburg ab.
  2. Der Kreistag fordert die Kraftwerksbetreiberin auf, den Nachweis zu erbringen, dass sich durch einen Neubau bzw. eine Erweiterung ökologische Vorteile für die Region ergeben – entsprechend den Vorgaben des Regionalplans Südhessen 2000 und des neuen Regionalen Flächennutzungsplanes.
  3. Der Kreistag bedauert die Ablehnung der E.On AG bezüglich eines durch Kreistagsbeschluss vom 14.2.07 geforderten länderübergreifenden Raumordnungsverfahrens.

Begründung:

Das E.ON-Kraftwerk Staudinger liegt unmittelbar an der Grenze des Kreises Offenbach weniger als 100 Meter von der Gemarkungsgrenze Hainburg entfernt. Im Schadstoffniedergang in einem Radius von 10 km sind auch die Städte Mühlheim, Obertshausen, Rodgau, Seligenstadt und Mainhausen davon betroffen.

Der geplante Block 6 hat eine Feuerungswärmeleistung von 2.400 Megawatt und soll bei einem Wirkungsgrad von max. 48% 1055 Megawatt Stromleitung abgeben. Zusammen mit den verbleibenden Einheiten Block 4 (Gas) und Block 5 (Kohle) sollen ab 2013 am Standort insgesamt 10.000 GWh (entsprechend 10.000.000.000kWh) produziert werden.
Der Kühlturm der zukünftigen Anlage soll 180m hoch werden, das Kesselhaus 120m. Stündlich können 385 Tonnen Kohle (jährlich mehr als 3 Mio Tonnen – vornehmlich aus Übersee, z.B. Südafrika, Kolumbien, Indonesien, Australien) verbrannt werden. Daneben werden lt. Angaben von E.ON Klärschlämme und andere Zuschlagstoffe verbrannt.
Mit dem geplanten Ausbau des größten Kohlekraftwerks Hessens würden dem bereits heute hoch belasteten Ostkreis Offenbach weitere zusätzliche Emissionen zugemutet. Es ist außerdem bekannt, dass derzeit in der Region Rhein-Main – neben dem belastenden Flughafenausbau – folgende Großprojekte in Planung stehen:

die in unserer Region zu einer zusätzlichen Erhöhung der Schadstoffkonzentration in der Luft führen würden. Zudem ist schon im Landschaftsplan (erstellt vom damaligen Umlandverband) aus dem Jahr 2000 nachzulesen: Luftgüte (S. 63): „Die Belastungen im Landschaftsraum (...) Rodgau sind vergleichbar mit denjenigen des nordwestliche gelegenen `Main-Taunus-Vorlandes´. Knapp 40% der Fläche sind „hoch bis sehr hoch“ und weitere 40% „sehr hoch“ belastet. Dieser Landschaftsraum zeichnet sich durch sehr hohe aus dem Straßenverkehr resultierende Emissionen aus (...)“

Die für den 6. Juli 07 geplante öffentliche Regierungsanhörung kann keinesfalls ein Raumordnungsverfahren einschließlich der zugehörigen Umweltverträglichkeitsprüfung ersetzen! Nur dadurch ist eine nachvollziehbare Abschätzung der direkten Umweltfolgen wie der Auswirkungen auf die umgebenden Wohngebiete, die Veränderung des regionalen Kleinklimas, der Belastungen durch zusätzliche Verkehre oder der Erderwärmung bzw. der veränderten Wasserführung des Mains möglich. Darüber hinaus wird nur durch dieses Verfahren eine Öffentlichkeitsbeteiligung gewährleistet.

Auch modernste Kohlekraftwerke haben deutlich höhere klimaschädigende Emissionen als vergleichbare Gaskraftwerke und insbesondere als eine Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Durch den Bau neuer Kohlekraftwerke würde der Einstieg in eine klimagerechte Energieversorgung für die nächsten Jahrzehnte blockiert und der Klimawandel relevant verschäft.


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