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17.01.2006 | Rubrik: Presse | Thema: Schule / Bildung

Ausbau der Ganztagsangebote: Ein Schneckentempo für die Bildung können wir uns nicht leisten!

Bündnisgrüne fordern Kreistag zu Protest gegen Landesplanungen auf

„Den von der Landesregierung angepeilten Schneckengang beim Ausbau der Ganztagsschulen können wir uns schlicht und ergreifend nicht leisten“, unterstreicht Fraktionssprecher Reimund Butz und fordert die Fraktionen im Kreistag zu Solidarität im Protest gegen die Planungen des Kultusministeriums auf, „bildungspolitisch und gesellschaftspolitisch ist das ein Skandal! Und bezogen auf den Kreis gerät das erklärte Ziel, den Schulstandort optimal auszubauen, unter die Räder.“

Hintergrund ist die Mitteilung des Kultusministeriums, für die Schulen im Kreis Offenbach lediglich neun neue Lehrerstellen bis zum Schuljahr 2008/2009 zum Ausbau der Ganztagsangebote zur Verfügung zu stellen sowie die Ankündigung, bereits bestehende Angebote nicht weiter auszubauen.
Somit könnten allenfalls 9 Schulen ihre erarbeiteten Ganztagskonzeptionen umsetzen. Der Kreis wurde aufgefordert, eine Priorisierung für 9 Schulen für 3 Jahre zu erstellen und dem Land zu melden.
Einen entsprechenden Antrag haben aber bereits 28 Schulen im Kreis eingereicht, weitere sind in der Endphase ihrer Konzeptionserstellung.

„Ganz egal, wie der Kreis die Prioritäten setzt: mit neun Schulen kann kein wohnortnahes Angebot geschaffen werden, wie es die Landesregierung selbst einmal als Ziel formuliert hat“, führt Reimund Butz dazu aus, „ginge es in diesem Kriechgang weiter, käme die letzte der bereits jetzt startklaren Schulen im Schuljahr 2015/2016 dran, die letzte überhaupt ungefähr im Jahr 2031/2032! Das ist ein Affront gegen alle engagierten Kollegien, Eltern und vor allem für die Kinder, denen Bildungschancen verwehrt werden!“
Grundschulen wie z.B. die Regenbogenschule und die Sterntalerschule in Dietzenbach, die Albert-Schweitzer-Schule in Langen oder die Waldschule in Obertshausen würden ebenso ohne weitere Lehrerzuweisung sitzen bleiben wie die Heinrich-Heine-Schule in Dreieich oder die Heinrich-Böll-Schule in Rodgau.

Die alte Bundesregierung hatte mit dem Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ (IZBB) den Ganztagsschulausbau für 30% aller Kinder angestrebt. Unterstützt von diesem Programm hat auch der Kreis Millionen in den Schulbau investiert und auch darüber hinaus erhebliche Finanzmittel für Schulen bereitgestellt. „Jetzt werden Schulen mit Bundesmitteln ausgebaut, die dann vom Land keine Lehrerstellen erhalten“, so Klaus-Uwe Gerhardt, schulpolitischer Sprecher.

Im Übrigen hatte gerade jüngst das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung (DIW) mit einer Studie belegt, wie wichtig eine bessere Versorgung mit Ganztagsschulen im Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf für Frauen ist. „Die Klage über klamme Geburtsraten fordert die Konsequenz, gute Ausbildungsbedingungen für Kinder zu bieten und gute Bedingungen für Eltern, von denen hohe Flexibilität und Mobilität im Berufsleben erwartet wird“, so Klaus-Uwe Gerhardt.

„Im Großen und Ganzen war sich der Kreistag bei dem Ziel, den Schulstandort zu optimieren, immer einig gewesen. Mit einer Landesregierung, die lieber Schlösser kauft oder Weingüter ausbaut statt Lehrkräfte einzustellen, ist die Kreispolitik aber genauso angeschmiert wie Eltern und Kinder!“ so Reimund Butz abschließend, „mit dem Turboabitur Lehrerstellen einzusparen, aber den Ausbau der Ganztagsangebote zu verschleppen, ist eine bildungspolitische Todsünde!“


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