19.01.2006 | Rubrik: Presse | Thema: Schule / Bildung, Seligenstadt / Mainhausen
Merianschule in Seligenstadt
Richtfest mit bitterem Beigeschmack
„Beim heutigen Richtfest an der Seligenstädter Merianschule ist die Freude heftig getrübt“, kommentieren die Kreistagsgrünen anlässlich der Planungen für Schulen im östlichen Kreisgebiet: Die Hainstädter Johannes-Gutenberg-Schule soll ihre Förderstufe verlieren und die Gerhard-Hauptmann-Schule in Klein-Welzheim soll sich mit der noch im Rohbau befindlichen Merianschule auf eine Dependance-Lösung verständigen.
„Das Ganze ist ein weiterer Schlag aus dem Hause Wolff gegen eine einstmals vielfältige Schullandschaft, zu dem der Kreis als Schulträger mit der Zerschlagung der Einhardschule auch seinen Teil beigetragen hat“, unterstreicht der Seligenstädter Abgeordnete Hans-Peter Bicherl. Im Jahr 2002 hatten CDU, FDP und FWG die Auflösung der kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe gegen die Stimmen von Grünen und SPD beschlossen. „Jenseits der erheblichen finanziellen Mittel, die hier der Schulträger Kreis eingesetzt hat, steht jetzt zu befürchten, dass sich die Situation für die Haupt- und Realschülerschaft mit einer Dependancelösung erheblich verschlechtert und für den Besuch einer Förderstufe weite Wege in Kauf genommen werden müssen“, führt Hans-Peter Bicherl dazu weiter aus.
Das langsame Sterben der Förderstufen, das von der Hessischen Landesregierung mit Richtwerten für Klassengrößen und dem vorgeschriebenen Turboabitur betrieben wird, ist den Kreistagsgrünen ein Dorn im Auge. „Allen PISA-Studien zum Trotz betreibt die Hessische Kultusministerin eine Schulpolitik der Selektion mit fatalen Folgen“, ergänzt Klaus-Uwe Gerhardt, schulpolitischer Sprecher der Fraktion, „mit zunehmender Ausgrenzung sinken die Leistungen. Für den persönlichen Lebensweg vieler jungen Leute schwächt das Chancen und gesellschaftspolitisch wird eine Entwicklung vorangetrieben, die allen Erkenntnissen widerspricht.“
Als „perfekte Ergänzung“ dieser `Schulpolitik gegen Zukunft´ sehen die Grünen den verschleppten Ausbau der Ganztagsangebote, der sich nach dem Kriechgang der Hessischen Landesregierung im Kreis Offenbach bis in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts hinschleppen dürfte.
„Ganzen Schülergenerationen werden damit Chancen verwehrt, die beispielsweise nordeuropäische Länder selbstverständlich bieten!“ betont Klaus-Uwe Gerhardt abschließend.
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