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12.09.2006 | Rubrik: Presse | Thema: Schule / Bildung

Ausbildungsplätze: Kreis zeigt sich als schlechtes Vorbild

Grüne kritisieren schleichenden Rückzug des Kreises aus der Ausbildungsverantwortung

„Die Zahl der Ausbildungsplätze wird sukzessive abgebaut.“ (Haushaltskonsolidierungsprogramm 2006 - 2009 des Kreises Offenbach)

Präzise aktuelle Daten liegen nicht vor, aber klar ist: Auch im Kreis Offenbach sind Ausbildungsplätze nach wie vor Mangelware: Allein im Arbeitsagenturbezirk Offenbach standen lt. Daten vom August 266 weniger freie Lehrstellen zur Verfügung als im Vorjahr. Mit dem Projekt „Staregio“ bemüht sich der Kreis, einige zusätzliche Plätze bei Firmen zu akquirieren.
„Anstatt aber mit gutem Beispiel voranzugehen, schleicht sich die Kreisverwaltung Jahr um Jahr ein Stück weiter aus der Verantwortung und reduziert die Ausbildungsplätze“, kritisiert Fraktionssprecher Reimund Butz und erinnert an die deutliche Kritik der Grünen zu diesem Punkt im Haushaltskonsolidierungsprogramm 2006 - 2009 (s.o.).

Von einstmals 12 Erstausbildungsplätzen im Jahr 2004 für Fachangestellte sind im laufenden Jahr nach aktuellem Stand nur 7 übrig geblieben, InspektoranwärterInnen werden keine eingestellt, ebenso wenig FachinformatikerInnen. Zusätzlich wurde lediglich seit 2003 ein Studienplatz bei der Berufsakademie besetzt; bei einigen Unternehmen mit Kreisbeteiligung wird noch darüber nachgedacht, Ausbildungsplätze zu besetzen. Im Ergebnis hat sich die Anzahl von insgesamt 16 Erstausbildungsplätzen im Jahr 2004 auf 8 im Jahr 2005 halbiert – 2006 ist nochmals mit einem Rückgang zu rechnen. Die Ausbildungsabteilung wurde inzwischen aufgelöst.
Mit einem Antrag für die Kreistagssitzung am 13. September 06 wollten die Grünen diese Entwicklung aufhalten. „Der Kreis darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, unterstreicht Reimund Butz, „natürlich müssen die ausgebildeten Berufsfelder dem Bedarf angepasst werden, aber einen Rückzug aus der Ausbildung darf es nicht geben.“
Während sich die Kreistagsabgeordneten im Jahr 2004 auf Antrag der Grünen noch über diese Prämisse einig waren, wird jetzt aber auf „bedarfsgerechte“ Ausbildung gepocht, wie es in einem Änderungsantrag von CDU und SPD heißt. „Damit wird dem beliebigen Abbau der Ausbildung Tür und Tor geöffnet“, kommentiert Reimund Butz.

Gerade jüngst hatte der Kreisbeigeordnete Carsten Müller unterstrichen, dass die Region Ausbildungsplätze bitter nötig habe und damit die Wirtschaft aufgefordert, mehr junge Leute einzustellen. „Wer auf der einen Seite so redet, im eigenen Haus aber dem Abbau der Ausbildungsplätze nicht Einhalt gebietet ist genauso wenig glaubhaft wie der Landrat, der nicht müde wird, den Kreis als Bildungsstandort Nr. 1 zu postulieren und gleichzeitig mit der Argumentation des „bedarfsgerechten“ Ausbilden einen Ausbildungsplatz nach dem anderen beerdigt!“ so Reimund Butz abschließend.


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