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18.09.2007 | Rubrik: Presse | Thema: Soziales

Zum Weltkindertag am 20. September

8689 arme Kinder im Kreis Offenbach sind 8689 zu viel!

„Armut ist ein Teufelskreis, der die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und schulische Bildung vernichtet“, betont Reimund Butz, Fraktionsvorsitzender der grünen Kreistagsfraktion zum Weltkindertag am 20. September und erinnert daran, dass auch im Kreis Offenbach nach Angaben des Kinderschutzbundes 8689 Kinder in Armut leben: „Wir unterstützen nachdrücklich die Forderung des Kinderschutzbundes, öffentliche Leistungen wie den Kinderzuschlag oder die Sozialleistungen für Kinder zu erhöhen: dazu muss die Bundesregierung dringend Entscheidungen treffen. Aber auch die Politik im Kreis Offenbach ist aufgerufen, gegensteuernde Maßnahmen in Angriff zu nehmen!“

„Viele Dinge, die in Mittelstandsfamilien kein Thema sind, werden für arme Kinder zur Riesenhürde: Der Kauf notweniger Schulutensilien ist ebenso kaum zu finanzieren wie ein Klassenausflug oder die Zahnspange“, erläutert Reimund Butz.

„Kein Kind darf aus finanziellen Gründen von einem regelhaft angebotenen Mittagessen in einer Einrichtung oder in der Schule ausgeschlossen werden!“, so der Sozialpolitiker weiter, der sich auch von der Einrichtung eines Sozialfonds einige Problemlösungen verspricht, „Auf lokaler Ebene sind vermehrte Anstrengungen für kindgerechte und kostenfreie Betreuungsangebote inklusive Mittagessen gefragt: Gemeinsam mit den Schulen müssen wir über die Gestaltung eines Sozialfonds nachdenken, der sich sowohl aus Zuschüssen als auch aus Spendengeldern und Beiträgen speist und mit dem unbürokratisch geholfen werden kann.“
Gleichzeitig gilt es nach Ansicht der Grünen, das hohe elterliche Engagement in den Fördervereinen mehr als bisher mit Elementen des bürgerschaftlichen Engagements zu verknüpfen: „Da könnte man sich von dem Punktesystem der Seniorengenossenschaften einiges abgucken.“

Voraussetzung für gezielte Hilfen wäre aber auch die Fortschreibung des Sozialstrukturatlasses. „Die letzten Zahlen im Kreis stammen aus dem Jahr 2000. „Trotz Zustimmung zu unserem Antrag dazu im Juli 2006 wurde bis jetzt keine Fortschreibung vorgelegt“, mahnt Reimund Butz.

In Hessen hat die Zahl der Kinder, die von finanziellen Zuwendungen des Staates abhängig sind, nach einer Auswertung des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung innerhalb eines Jahres um 12,2 % zugenommen. Die Landesregierung weigert sich, zu diesem Thema Zahlen zu nennen: „Landesspezifische Untersuchungen zu Kinderarmut liegen nicht vor“, war die Antwort jüngst auf eine Anfrage der grünen Landtagsfraktion.

Nach einer von der EU-Kommission veröffentlichten Studie „Europas soziale Wirklichkeit“ können instabile Beziehungen, Zerstörungen von Familienstrukturen, Drogenkonsum und Alkoholismus, Übergewicht, Kriminalität und Anfälligkeit für politischen Extremismus die Folgen von Armut sein.

„Es gilt die alte Formel: Die Folgen werden uns unendlich viel teurer zu stehen kommen als rechtzeitige, umfängliche und gezielte Hilfen für die Kinder“, so Reimund Butz abschließend, der eine parlamentarische Initiative der grünen Kreistagsfraktion dazu ankündigt.


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