20.09.2007 | Rubrik: Presse | Thema: Gesundheit, Langen, Seligenstadt / Mainhausen
Asklepios-Kliniken Langen / Seligenstadt
Die Kehrseite der Medaille: Pflegepersonal steht am unteren Ende der Lohnskala
„Wir alle begrüßen, dass die Eröffnung der Psychiatrie an der Langener Asklepios-Klinik endlich kurz bevor steht und eine Geriatrie-Abteilung in Seligenstadt bald folgen soll, dass das Bettenhaus saniert und ein Dialysezentrum errichtet wurde“, unterstreicht Reimund Butz, Fraktionssprecher der grünen Kreistagsfraktion, „die Kehrseite der Medaille wird aber in allen Jubelarien gerne verschwiegen: Die Situation für das Gros der Beschäftigen hat sich rasant verschlechtert!“
„Mit einem Stundenlohn von 9,04 Euro kann ein Großteil des Klinikpersonals vom jüngst für Briefzusteller ausgehandelten Mindestlohn von 9,80 Euro nur träumen!“, führt Reimund Butz dazu aus, „Mit nur 151 garantierten Arbeitsstunden pro Monat muss der Kreis befürchten, dass durch die Personalpolitik von Asklepios die Schar der so genannten „Aufstocker“ im Kreis weiter steigt!“
Erst jüngst hatte Sozialdezernent Carsten Müller im Sozialausschuss dargelegt, dass die Arbeitslosenzahl zwar gesunken, die Anzahl derjenigen, die zu ihrem niedrigen Erwerbseinkommen auf zusätzliche staatliche Leistungen nach Hartz IV angewiesen sind aber ständig steigt. Legt man durchschnittliche Langener Mietpreise zugrunde, liegt nach seinen Ausführungen beispielsweise die Grenze zum „Aufstocker“ bei einem Nettogehalt von etwa 1500,- Euro für einen 3-Personen-Haushalt.
„Bei einem der größten Arbeitgeber im Kreisgebiet muss letztlich der Kreishaushalt zusammen mit Bundesgeldern für die Summe einspringen, die Asklepios bei den Gehältern einspart!“ rechnet Reimund Butz vor und verweist auf den Tariflohn pro Stunde in Höhe von 13,26 Euro an anderen Kliniken, „Insofern muss der Kreis ein vitales Interesse an der Personalpolitik der Kliniken haben!“
„Die niedrigen Löhne verbunden mit 1-Jahres-Verträgen haben inzwischen zu einer hohen Personalfluktuation in Langen und einem regelrechten Pflegenotstand in der Seligenstädter Klinik geführt“, führt Reimund Butz dazu aus und warnt davor, dadurch das Ansehen der Kliniken zu riskieren: „Der Ruf einer Klinik lebt von seinem Personal!“
Mit Sorge blicken die Grünen zudem auf neue Planungen des Kreises am Klinikgelände. „Die Personalwohnungen sind ohne Zweifel in einem schlechten Zustand und niemand kann ernsthaft einer Entwicklung des Geländes entgegenstehen“, erläutert Reimund Butz, „Gleichwohl sind diejenigen, die jetzt dort wohnen, auf sehr günstigen Wohnraum angewiesen! Insbesondere die Auszubildenden der Krankenpflegeschule brauchen dringend auch weiterhin kliniknahen Wohnraum, da sie von ihrem minimalen Einkommen kaum eine Wohnung auf dem freien Markt finanzieren können und zudem die Zeiten im Schichtdienst mit dem Angebot des Busverkehrs nicht kompatibel sind!“
Die Grünen wollen die Situation des Personals zum Thema im Kreistag machen und unterstreichen zudem abschließend: „Eine Neuentwicklung des Geländes an der Röntgenstraße ohne ausreichende Personalwohnungen werden wir nicht mitmachen!“




