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04.09.2008 | Rubrik: Presse | Thema: Schule / Bildung

Zukunft der Berufsschullandschaft im Kreis Offenbach

Grüne kritisieren Landrat: Porzellan zerschlagen – Geld zum Fenster rausgeworfen – Zeit geraubt

Alles andere als einen Preis für umsichtige Kommunalpolitik hat sich nach Ansicht der grünen Kreistagsfraktion Landrat Peter Walter mit seinem Vorgehen in Sachen `Zukunft der Berufsschulen´ verdient: „Mit unsinnigem Gepolter wurde hier das Vertrauen der Schulgemeinden auf´s Spiel gesetzt und zudem ein stattlicher Geldbetrag zum Fenster rausgeworfen“, konstatiert Dr. Klaus-Uwe Gerhardt, schulpolitischer Sprecher der Fraktion, „Die landrätliche Gangart war untauglich und absolut nicht zielorientiert.“

Erst nachdem endlich die Fachleute der Schulen mitreden konnten, ging die Sache voran und inzwischen herrscht weitgehende Einigkeit zwischen den Schulen, an welchen Standorten zukünftig welche Ausbildungsgänge beschult werden. Einzig strittig ist derzeit noch der zukünftige Standort für den Ausbildungsgang der Steuerfachangestellten. Sowohl die Personalversammlung der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen und die Personalversammlung der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule als auch der Präsident der Steuerberaterkammer Hessen sprechen sich ausdrücklich gegen die Verlagerung von der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule nach Obertshausen aus. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass auch hier eine Lösung gefunden wird, wenn man den Fachleuten die Steuerung überlässt“, so Dr. Klaus-Uwe Gerhardt.

Begonnen hatte die unsägliche Geschichte mit einem donnernden Paukenschlag in landrätlicher Manier: Zum 31. Juli 2005 hatte der Landrat – in eigenem Ermessen und ohne jegliche Gremienbeteiligung – die Vereinbarung des Kreises und der Stadt Offenbach hinsichtlich der Schulbezirke für Berufsschulen gekündigt. Zur Begründung hatte er angeführt, Gastschulbeiträge sparen zu wollen. In Folge der Kündigung wurde – auf Wunsch des Landrats – das Fraunhofer-Institut mit einem 60.000 € teuren Gutachten beauftragt. Offensichtlich brachte dieses Gutachten aber nicht das erhoffte Ergebnis und auch keine Hinweise auf sensationelle Ersparnisse für den Kreis.
Anschließend hatte die IHK das Heft in die Hand genommen und – auch in Befürchtungen um die Interessen der Ausbildungsbetriebe – den weiteren Prozess moderiert.

Das Argument einzusparender Gastschulbeiträge war immer auf das Kopfschütteln der Grünen gestoßen: „Zum Einen gibt es da keine Schieflage für den Kreis – wie auch eine neue Erhebung des Landesrechnungshofes untermauert – und zudem ist der Bau neuer Klassenräume in der Regel ungleich teurer als der Gastschulbeitrag, der für Jugendliche zu zahlen ist, die auswärts beschult werden“, führt Dr. Klaus-Uwe Gerhardt dazu aus, „Statt sich in provinziellem Geschachere zu ergehen, muss sich die Bildungsregion als Ganzes verstehen und sich mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigen, muss Netzwerke ausgestalten und auf veränderte Anforderungen reagieren.“

Heftig kritisiert hatten die Grünen während des Prozesses ebenso, dass man zunächst die Schulen in dem Prozess völlig außen vor gelassen hatte. Entsprechend waren die Vermutungen gewachsen, dass die Interessen von Schülerschaft und Lehrpersonal wenig Beachtung finden könnten. Auch die Grünen hatten befürchtet, dass mit der Installierung von Mammutschulen Bildungschancen konterkariert würden und immer wieder für überschaubare Schulstandorte plädiert. Als die Fachleute der Schulen endlich in den Prozess einbezogen wurden, waren solche Szenarien auch vom Tisch.

„Viel Zeit, Geld und einiges an Energie von Schulgemeinden ist draufgegangen, weil der Landrat meinte, es mal wieder krachen lassen zu müssen. Für den Bildungsstandort war das weder sinnvoll noch zielführend“, so Dr. Klaus-Uwe Gerhardt abschließend, „Ein umsichtiges, transparentes Vorgehen unter Einbeziehung von Fachverstand ist die Garantie dafür, Bildungschancen zu optimieren. Nur leider ist das eben keine Garantie für Schlagzeilen in der Regionalpresse!“


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