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01.04.2009 | Rubrik: Presse | Thema: Verschiedenes

PPP ohne Grenzen

Schuldnerst du noch oder verdienst du schon?

13 Städte und Gemeinden, knapp 337.000 Einwohner auf 356 qkm – dieses Gebilde südlich und westlich des Mains mit dem Dietzenbacher Hexenberg als höchster Erhebung und der Rodaumündung in den Main als tiefstem geografischen Punkt heißt noch immer „Kreis Offenbach“, obwohl es mit der gleichnamigen Stadt nur die Nachbarschaft verbindet. Kreis Offenbach: eine oft gescholtene Bezeichnung, doch mangels sinniger Einfälle bisher ohne Alternative.

Das muss nicht so bleiben, meinen die Grünen und stellen sich vor, die landrätliche Zauberformel der vernebelten Kreis-Überschuldung „PPP“ ins Gegenteil zu verkehren: Geld für PPP durch PPP!

Eine Internet-Auktion könnte die grenzenlose Begeisterung der Kreisspitze für Public Private Partnership eindrucksvoll unterstreichen und den ohnehin nicht sonderlich beliebten Namen des Kreises ersetzen durch das Höchstgebot: Warren-Buffett-Area oder Region Eon, Ackermann county oder Fraport rural district – der Fantasie (und natürlich der Höhe des Gebots) sind keine Schranken gesetzt! Warum sollte dem Kreis nicht recht sein, was einer Commerzbankarena oder einer Allianzarena billig ist?

Ein ordentliches Sümmchen könnte für den Kreis, der von 337.000 Personen als Adresse genannt und in etwa 232.000 Kennzeichen als Werbeträger dienen würde, schon herauskommen – ist die Werbung doch sozusagen Tag und Nacht allgegenwärtig! Und ganz nebenbei gehörte das so vielfach geschmähte Kürzel „OF“ auch noch der Vergangenheit an.

Und selbstverständlich sollten auch Teilzuschläge möglich sein: Hat nicht Netjets-Highway eine weitaus verheißungsvollere Resonanz als die bräsige Bezeichnung `Kreisquerverbindung´? Und könnte ein glitzerndes Drehlogo „Hochtief“ auf dem Dach des Kreishauses nicht imposant die Verbundenheit von Politik und Wirtschaft zum Ausdruck bringen? Bei Zuzahlung gibt´s den Eingangsbereich dazu!
Und auch der Kragenspiegel eines Landrates wäre in seiner Attraktivität als Werbeträger nicht zu unterschätzen!

Vermarkten ließen sich auch Natur und Landschaft: Gilt es nicht, endlich die alten Zöpfe abzuschneiden und beispielsweise dem Hexenberg eine neuzeitliche Klangfarbe wie `Lufthansa-Hill´ zukommen zu lassen? Und könnte nicht aus der Rodau ein Braas-Stream werden! Wer wollte da noch vor Schulen halt machen: Wäre ein McDonalds-Gymnasium nicht gewinnbringender als die Erinnerung an verstorbene Helden? Und ein Walk of Fame vor dem Kreishaus mit den Abdrücken der Hände echter Multimillionäre könnte nicht nur Boni sichern, sondern wäre auch ein neuer touristischer Anziehungspunkt!

Ganz klar wäre der Tipp auch für Kommunen von Nutzen: könnten sie doch ganz andere Sprünge machen, wäre die Scheu vor einer BMW-Avenue erst ad acta gelegt. Beste Erlöse wären sicher drin, wenn ganze Ortsbezeichnungen unter den Hammer des Auktionators kämen: Welche Wundertüte könnte „Strothoff-Town“ ausschütten! „Strothoff – Dreieich macht lebenslang reich“ oder „Netjets und Buffets bringen Egelsbach Nuggets!“

Ja, welch neues Zeitalter bräche heran mit einem einig´ Werbeträger-Volk – welch Füllhorn würde sich über uns ausschütten! An frühere Zeiten würden wir uns gerne an einem „Tag der alten Identität“ erinnern und uns die Geschichten von einer Zeit anhören, als Geschichte und Landschaft noch namensgebend wirkten – bedauernd, dass wir uns diese Art von Luxus einfach nicht mehr leisten konnten.

Oder uns den „Luxus“ der steuerfinanzierten öffentlichen Hand nicht mehr leisten wollten? So mancher Bürgermeister oder Landrat müsste vielleicht befürchten, dass er Namensgeber für ein auswegloses Sackgässchen würde!


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