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11.08.2009 | Rubrik: Presse | Thema: Energie, Umwelt / Natur

Unabhängig von Energiegiganten – frei von fossilen Energieträgern

Grüne besuchten das Bioenergiedorf Rai-Breitenbach im Odenwald

Zusammen mit dem grünen Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Odenwald (Wahlkreis 187) Dr. Thomas Rehahn und interessierten Gästen war das 1. hessische Energiedorf Rai-Breitenbach das Ziel der Kreistagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen am 10. August 2009 im Rahmen ihrer Sommeraktionen.

Ca. 150 Haushalte und zwei Schulen inklusive Sporthalle und Hallenbad werden in dem Breuberger Ortsteil durch ein Biomassekraftwerk mit Nahwärme und Warmwasser versorgt. Betreiber der Anlage ist eine Genossenschaft, in der neben 160 Bürgerinnen und Bürgern auch der Odenwaldkreis, die Schulen und die Stadt Breuberg Mitglied sind.

„Imponierend ist das große bürgerschaftliche Engagement, mit dem das Projekt seit 2005 vorangetrieben wurde bis es nach nur 15monatiger Bauzeit im August 2008 schließlich in Betrieb gehen konnte“, zeigt sich Hans-Peter Bicherl, umweltpolitischer Sprecher der Kreistagsfraktion beeindruckt, der sich solche Projekte noch an vielen anderen Orten vorstellen kann, „Rai-Breitenbach ist ein gutes Beispiel für Energieversorgung jenseits von fossilen Energieträgern und jenseits von Energiemultis!“

Auf einer nahe der Schulgebäude gelegenen, ehemals landwirtschaftlich genutzten Wiese steht das Gebäude, auf dessen Pultdach eine Fotovoltaikanlage Strom erzeugt und in dessen Inneren sich neueste Technik verbirgt: Eine Holzhackschnitzelheizanlage sowie ein Blockheizkraftwerk mit Holzverstromung sichert die Grundversorgung, ein mit Pflanzenöl betriebener Kessel die Spitzenlast. Die Holzschnitzel werden aus dem Odenwälder Forst bezogen. Der CO2-Ausstoß wird p.a. ca. um 2000 Tonnen gemindert, gespart werden ca. 650.000 Liter Heizöl p.a.

Mit ca. 7,5 km Rohrleitungen wurden etwa 2/3 der örtlichen Haushalte bereits angeschlossen, weitere haben eine Option, sich zukünftig anzuschließen.

Finanziert wurde das 3,2 Mio - Projekt durch die Genossenschaftler (550.000€) sowie einen Zuschuss des Landes (280.000€) und des Kreises (130.000 €). Der restliche Betrag konnte über die Kreditanstalt für Wiederaufbau finanziert werden. Die Kilowattstunde kostet die Nutzer 8,95 Cent.

Beispielgebend für die Genossenschaftler war das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen – ein ähnliches Projekt, bei dem jedoch Gülle als Energieträger eine zentrale Rolle spielt. „Wir haben hier keine Gülle, aber jede Menge Holzabfall“, erläuterte ein Mitglied der Genossenschaft, die insbesondere auch die regionale Wertschöpfung betont.

Im Herbst diesen Jahres soll ein weiteres Genossenschaftsprojekt eingeweiht werden: In Strohballenbauweise wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des Kraftwerkes ein Gebäude als Büro und Versammlungsraum errichtet – natürlich mit kompletten Solardach.

„Neben Einsparung und Effizienzsteigerung braucht die Energiewende viele dezentrale Anlagen, die jede Art von regenerativer Energie nutzen. Der hoch risikobehaftete Atom- und kohleorientierte Kurs von Bundes- und Landesregierung gefährdet Klima und regionale Wertschöpfung“, so Hans-Peter Bicherl abschließend, dessen Fazit zu Rai-Breitenbach lautet: „Zur Nachahmung dringend empfohlen!“


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