10.08.2010 | Rubrik: Presse | Thema: Gesundheit, Verkehr
Geplante neue Flugrouten: Schluss mit dem St. Florian-Prinzip
Gemeinsam für weniger Fluglärm und für ein Nachtflugverbot

Reimund Butz
Foto: Uta MoslerFür die Kreistagssitzung am 15. September 2010 legt die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen einen Antrag vor, der erneut ein Nachtflugverbot einfordert.
„Die Region darf sich nicht auseinander dividieren lassen und vermeintliche Nutznießer geänderter Routen dürfen sich nicht zurücklehnen“, betont Reimund Butz, „Nur ohne das Bemühen von St. Florian hat die Region eine Chance, sich gegen immer weiter wachsende Belastungen zu wehren und ein Nachtflugverbot zu erzwingen.“
Die gerade eröffnete Diskussion um neue nächtliche, das Kreisgebiet erheblich belastende Flugrouten, verdeutlicht nach Ansicht der Grünen eindrücklich, dass der einzige wirksame Schutz für den Schlaf ein Nachtflugverbot ist. „Es kann letztlich keine andere Lösung im Sinne der hier lebenden Menschen geben“, unterstreicht Fraktionsvorsitzender Reimund Butz, „Die Interessen der Frachtunternehmen dürfen nicht über alles gehen.“
Ein solches Nachtflugverbot hatte auch der Kreistag Offenbach im Jahr 2000 mehrfach als Bedingung an einen Ausbau des Flughafens geknüpft. Das mantraartig vorgetragene Koch´sche Versprechen der nächtlichen Ruhe war jedoch spätestens mit der laufenden Klage der Landesregierung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes gebrochen worden.
„Es kann in dieser dicht besiedelten Region keine „Demokratisierung des Fluglärms“ geben“, wendet sich Reimund Butz weiter gegen das einst von Gerhard Grandke als Offenbacher Oberbürgermeister ausgegebene Motto, „Jeder geraubte Schlaf ist grausam.“
Das Expertengremium Aktiver Lärmschutz des Forums Flughafen und Region (FFR) hatte am 29. Juni 2010 einen Maßnahmenkatalog vorgestellt. Während einige mögliche Maßnahmen durchaus sinnvoll sein können, sorgt insbesondere die Segmentierung der Flüge für erhebliche Sorge: davon wären insbesondere Gravenbruch, Heusenstamm, Obertshausen, Hainburg, Seligenstadt und Rodgau/Weiskirchen betroffen. Im Vorfeld des durch die Presse veröffentlichten Maßnahmenpakets hatte es offensichtlich erheblich an Kommunikation mit den betroffenen Kommunen gemangelt. Der Probebetrieb für die verschobenen Flugrouten soll nach Auskunft der Flugsicherung im Winter gestartet werden.
Die Flugsicherung hatte während einer Sitzung des Bauausschusses in Hainburg kürzlich ferner dargestellt, dass die Segmentierung nur während der Mediationsnacht zwischen 23.00 und 5.00 Uhr möglich sei. „In dieser Zeit brauchen wir Ruhe und keine Probebetriebe“, ergänzt Hans-Peter Bicherl, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion aus Hainburg.
Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm rechnet bei der Umsetzung des Maßnahmenpakets unter´m Strich mit einer Steigerung der Hochbelästigten um bis zu 44%, da die Flugraten gesteigert werden können.
„Wir wenden uns ganz entschieden gegen das von der Landesregierung übernommene Motto der Cargobetriebe „Die Fracht braucht die Nacht“, sondern unterstützen nachdrücklich die Position der Bürgerinitiativen: „Die Fracht raubt die Nacht“, so Reimund Butz abschließend.
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